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2. novembre 2026

Schilling-Umfrage: Österreichs Center ringen um den Sonntag

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Grafik: Shopping Center Forum · Foto: ŽupaBA VUCBA / Wikimedia Commons, CC BY 2.0

Österreichs Center-Betreiber sind bei der Sonntagsöffnung gespalten, doch der Branchenverband ACSP will die Debatte anstossen. Eine Umfrage zeigt knapp mehr Befürworter als Gegner, und der ACSP-Präsident möchte über eine Öffnung an einzelnen Sonntagen im Jahr diskutieren.

Während in Wien am Sonntag die Rollläden unten bleiben, laden Einkaufszentren in Bratislava ausdrücklich österreichische Kundschaft zum Bummel ein. Das noch junge Nivy Center wirbt auf deutschsprachigen Websites um Besucher aus dem Nachbarland. Die Stadt selbst preist ihre neuen Einkaufstempel als Alternative für alle an, die sieben Tage pro Woche shoppen wollen.

Bratislava ist kein Einzelfall. In Tschechien und Ungarn dürfen Geschäfte grundsätzlich sonntags öffnen. Italien hat die Zeiten im Einzelhandel 2012 freigegeben, seither bestimmen auch die Center ihre Öffnung selbst. Strenger geregelt sind die Schweiz, Slowenien und Deutschland. In der Schweiz und in Deutschland gibt es aber zumindest regional einzelne verkaufsoffene Sonntage, am 18. Oktober etwa in Passau. Mitmachen ist dabei freiwillig.

Ein Land mit strengen Regeln

Österreich zählt zu den restriktivsten Ländern. Beim letzten Kongress in Wien, den der Austrian Council of Shopping Places (ACSP) veranstaltete, stellte Floortje Schilling dies fest. Sie leitet eine Kommunikationsagentur und lehrt an der Universität Wien. Mit Studierenden hat sie Center-Betreiber zum Thema befragt und die Ergebnisse nun präsentiert.

100 Fragebögen an Center-Manager wurden verschickt, 34 kamen zurück. Eine Mehrheit fiel das Resultat nicht aus: 43,8 Prozent stehen der Sonntagsöffnung grundsätzlich positiv gegenüber, 37,5 Prozent negativ. Immerhin reagierten 19 Prozent «sehr positiv», aber nur 9 Prozent «sehr negativ». Der geringe Rücklauf dürfte den ACSP kaum ermutigen, das Thema offensiv zu besetzen.

Die Gegner führen höhere Personal- und Betriebskosten ins Feld, dazu den schon heute spürbaren Personalmangel. Die Befürworter sehen in längeren Öffnungszeiten ein Mittel gegen die Dominanz des Online-Handels. Zudem bliebe Kaufkraft im Inland, statt zu grenznahen Centern abzufliessen.

Sieben, fünf oder vier Sonntage

ACSP-Präsident Christoph Andexlinger nannte den Kaufkraftabfluss in den Grenzregionen eine Tatsache, gegen die man etwas unternehmen müsse. Eine Öffnung an allen 52 Sonntagen verlange jedoch niemand. Zur Diskussion stellen will der Verband eine Öffnung an sieben, fünf oder auch nur vier Sonntagen im Jahr. Der Online-Handel sei schliesslich rund um die Uhr erreichbar. Man müsse Vor- und Nachteile abwägen und sich einer sinnvollen Lösung annähern. Die um rund 15 Prozent höheren Betriebskosten an Sonntagen seien dabei ein gewichtiges Argument.

Andexlinger leitet SES und hat kürzlich in Zagreb das umgebaute Shoppingcenter King Cross eröffnet. Die meisten Sonntage über ist auch dieses Center geschlossen, wenn auch nicht aus Überzeugung. Zwei Jahre ist es her, dass in Kroatien noch sehr liberale Regeln galten; inzwischen dürfen die Geschäfte nur an 16 Sonntagen jährlich öffnen.

In den Interviews von Schilling und ihren Studierenden fragten einzelne Betreiber, warum man es nicht einfach ausprobiere. Auch im Fragebogen fand das Modell «nur an bestimmten Sonntagen» die grösste Zustimmung. Nach dem Muster der Schweiz und Deutschlands sollen die Teilnahme freiwillig und die Öffnungszeiten an wenigen ausgewählten Tagen verkürzt sein. Ein solcher Versuch müsste zeitlich begrenzt sein, begleitet werden und im Anschluss ausgewertet werden.

Schilling verwies zudem auf Erhebungen der letzten Jahre: Jüngere sind der Sonntagsöffnung gegenüber aufgeschlossener als Ältere. Zudem sei in Deutschland die Arbeit am Sonntag ein gefragter Nebenjob unter Studierenden und Pensionierten.

Der ACSP plant, in der Sache stärker aufzutreten, und zwar zusammen mit dem Handelsverband und der Wirtschaftskammer. Andexlinger sagte, eine Lösung solle so gestaltet sein, dass alle mitgehen können. Wie die Debatte ausgeht, ist offen.

Einordnung aus Schweizer Sicht

Für Schweizer Center-Betreiber ist die Diskussion mehr als ein Blick über die Grenze. Auch hierzulande konkurrieren Standorte in Grenznähe mit Angeboten im Ausland, und der Online-Handel kennt keinen Ladenschluss. Der österreichische Ansatz fällt durch seine Nüchternheit auf: wenige Testtage, Freiwilligkeit, Evaluation, und die Kostenfrage von Anfang an auf dem Tisch. Wie sich Rahmenbedingungen wandeln und Center darauf reagieren, ist auch der rote Faden des Kongresses «Metamorphosis» am 20. Mai 2027 in Zürich.

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