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26 octobre 2026

Migros will eine Genossenschaft statt zehn Regionalgenossenschaften

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Grafik: Shopping Center Forum · Foto: JoachimKohler-HB / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Die Migros will ihre zehn Regionalgenossenschaften, den MGB und die Supermarkt AG in einer Einheitsgenossenschaft bündeln. Gleichzeitig geraten Lindt & Sprüngli unter Druck, und die Flugpreise dürften steigen: Der Konsumumfeld-Mix, in dem Schweizer Center ihr Geschäft machen, verschiebt sich.

Für Kundinnen und Kunden ist die Migros ein einziges, vertrautes Orange. Hinter der Fassade arbeiten aber zehn Regionalgenossenschaften, der MGB und die Supermarkt AG nebeneinander. Genau diese Konstruktion soll bald Geschichte sein.

Ein gemeinsames Dach

Zu Beginn der neuen Woche wollen Migros-Präsidentin Ursula Nold und Konzernchef Mario Irminger ihr Konzept vorstellen. Nach diesem Plan sollen der Migros-Genossenschafts-Bund (MGB), die Migros-Supermarkt AG und sämtliche zehn Regionalgenossenschaften unter dem Dach einer einzigen Genossenschaft vereint werden. Das verwickelte Gefüge, das den Konzern seit Jahrzehnten ausbremst, würde damit verschwinden.

Die Migros-Supermarkt AG besteht als bedeutendste operative Tochtergesellschaft fort. Neu soll sie sich in sechs Regionen gliedern. Deren Grenzen richten sich nicht mehr nach den historisch gewachsenen Genossenschaftsgebieten, sondern nach der Logistik. Warenflüsse bestimmen also die Landkarte, nicht die Tradition. Die heutigen Führungsstrukturen der Regionalgenossenschaften würden aufgelöst.

Die finanzielle Dimension ist beträchtlich. Das Einsparpotenzial liegt nach den vorliegenden Informationen bei 300 bis 400 Millionen Franken pro Jahr. Betroffen wären vor allem die Verwaltungen und Führungsstäbe in den Regionen. Rund 3000 Stellen könnten wegfallen. Als Vorbild dient Coop: Der Konkurrent legte seine Regionalgenossenschaften schon 2001 zusammen und dürfte die Migros in diesem Jahr überholen.

Noch ist nichts beschlossen. Den Ausschlag geben die Genossenschafterinnen und Genossenschafter. Dafür muss das Vorhaben bei jeder einzelnen Regionalgenossenschaft eine Zweidrittelmehrheit erreichen.

Lindt: Zwischen Preisfehler und Ausverkauf

Auch in Kilchberg läuft es nicht rund. Lindt & Sprüngli hat die Preise massiv angehoben, und die Kundschaft hat darauf reagiert: Die Schokolade verlor an Zuspruch, der Börsenwert fiel um 40 Prozent. Diese Woche kam der unerwartete Abgang von CEO Adalbert Lechner, der 33 Jahre lang für den Konzern tätig war.

Nun hat sich Verwaltungsratspräsident Ernst Tanner erstmals zur Lage geäussert. Ihn schmerze es, wenn die eigenen Produkte verramscht würden, erklärt er. Um Kundschaft zurückzuholen, führe aber vorerst kein Weg an Aktionen vorbei. Er räumt Fehler bei der Preisgestaltung ein: Für manche Konsumentinnen und Konsumenten seien die Produkte in den letzten Monaten schlicht zu teuer geworden.

Persönliche Konsequenzen zieht der 80-Jährige daraus nicht. Einen Rücktritt lehnt er ab; er traut sich weiterhin zu, die Firma zurück in die Erfolgsspur zu führen. Die Fehleinschätzung bei den Preisen verortet er beim Management vor Ort: Jeder Länderchef führe das Geschäft in eigener Verantwortung.

Fliegen wird teurer

Ein dritter Faktor betrifft das Reisebudget. Viele Fluggesellschaften haben sich beim Treibstoff abgesichert und mit den Lieferanten schon früh einen Preis vereinbart, der deutlich unter dem aktuellen Marktniveau liegt. Das war ein Glücksfall: Im Frühling brach der Irankrieg aus, und seither kostet Kerosin ungefähr doppelt so viel. Die Ticketpreise sind dank dieses Polsters bisher nicht im gleichen Mass gestiegen.

Dieses Polster wird dünner. In den nächsten Monaten läuft bei zahlreichen Airlines die Treibstoffabsicherung aus, und Billette könnten um bis zu 20 Prozent teurer werden. Ryanair-Chef Michael O’Leary erwartet für die nächsten zwölf Monate in Europa den stärksten Preisanstieg bei Flügen, den es je gegeben hat. Konkrete Zahlen zu den eigenen Absicherungen nennt die Lufthansa-Gruppe, Mutter der Swiss, nicht.

Was das für Center und Retailer bedeutet

Die drei Geschichten haben mehr gemeinsam, als es auf den ersten Blick scheint. Alle drehen sich darum, wie viel Spielraum Haushalte haben und wie flexibel Unternehmen darauf reagieren.

Für Center-Betreiber und Eigentümer ist die Migros-Reform von besonderem Interesse. Die Frage, wer bei der Migros künftig über Flächen, Konzepte und Investitionen entscheidet, betrifft Standorte unmittelbar. Eine Struktur mit sechs logistisch geschnittenen Regionen statt zehn Genossenschaften könnte Entscheidungswege verkürzen. Ob und wie sich das auf einzelne Standorte auswirkt, hängt vom Ausgang der Abstimmungen und von der konkreten Umsetzung ab. Klar ist: Die Migros stellt ihre Organisation grundlegend infrage, und Coop hat vorgemacht, wie ein solcher Schritt aussehen kann.

Der Fall Lindt wiederum zeigt, wie rasch Preiserhöhungen ein Markenversprechen strapazieren. Wer in den Centern Markenprodukte verkauft, kennt die Gratwanderung zwischen Marge und Akzeptanz. Dass ein Hersteller seine Ware nun über Aktionen in die Regale zurückbringen muss, wird auch bei Retailern Spuren in der Sortimentsplanung hinterlassen.

Steigende Flugpreise schliesslich könnten Ferienbudgets enger schnüren. Wie sich das auf das Ausgabeverhalten im Alltag auswirkt, werden die kommenden Monate zeigen.

Ein Konzern, der sich neu erfindet, passt zum Kongressthema «Metamorphosis» des 20. Shopping Center Forum Switzerland am 20. Mai 2027 im Radisson Blu Hotel, Zurich Airport.

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