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24. Oktober 2026

Wynecenter Buchs: 50 Jahre nach dem Provisorium

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Grafik: Shopping Center Forum · Foto: gonghuimin468 / Pixabay

Eigentlich sollte das Wynecenter mitten in Buchs stehen, heute behauptet es sich seit einem halben Jahrhundert im Industriegebiet Wynenfeld. Vom 28. bis 31. Oktober feiert die Migros das 50-Jahr-Jubiläum mit einem Spezialprogramm.

Oktober 1976 im Wynenfeld: Zwischen Gewerbebauten und Fabrikarealen öffnet in einer schlichten Halle der Firma Horta ein Migros-Supermarkt der Kategorie MMM. Es ist ein Behelf auf Zeit, der auch die kleineren Filialen der Umgebung entlasten soll. Das Gebäude gilt als unansehnlicher Zweckbau, und niemand denkt daran, hier ein dauerhaftes Einkaufszentrum zu betreiben. Fünf Jahrzehnte später zählt das Wynecenter rund 2,5 Millionen Besuche pro Jahr. Rund 30 Geschäfte und Dienstleister teilen sich das Dach, Eigentümerin ist die Migros.

Dass es so kam, ist alles andere als selbstverständlich. Der ursprüngliche Plan sah einen völlig anderen Ort vor.

Ein Einkaufszentrum für die Dorfmitte

In den 1960er-Jahren kaufte die Migros in Buchs Parzelle um Parzelle zusammen, an der Ecke Lenzburgerstrasse und Rösslimattstrasse. Dort, im Herzen der Gemeinde, sollte das Zentrum entstehen. Die Standortfrage beschäftigte die Regionalplanungsgruppe Aarau schon 1968. Ihr Schluss: In Aarau selbst setze die Verkehrslage einem regionalen Einkaufszentrum Grenzen, die Verkehrsanlagen rund um Buchs hingegen könnten es verkraften.

Im Oktober 1970 erfuhr der Buchser Einwohnerrat von einer geplanten Änderung des Teilüberbauungsplans für die Spezialzone Wynenfeld. Der bestehende Plan sah zwar ein Einkaufszentrum vor, die Migros wollte aber deutlich grösser bauen. Die freisinnige Fraktion verstand die vorgesehene Dimension als Obergrenze und erwartete von der Migros Entgegenkommen bei den Steuern.

Im September 1972 kam die Änderung im Gemeindeparlament zur Abstimmung. Das Vorhaben war ehrgeizig: ein ganzes Quartier mit mehreren Mehrfamilienhäusern, darunter drei Hochhäuser mit je 16 Geschossen. Dazu ein Einkaufszentrum mit 12’000 Quadratmetern Ladenfläche, Gartencenter, Restaurant, Migros-Markt und Do-it sowie Lokale für selbstständige Detaillisten. Vorgesehen waren ausserdem eine Freizeitwerkstätte, ein Vortragssaal, eine Bibliothek und eine Kinderkrippe. Unter dem Boden hätten 1050 Parkplätze Platz gefunden.

Nun fiel die Reaktion des Einwohnerrats merklich kühler aus. Eine Anlage für ein Einzugsgebiet von 25 Kilometern sprengte aus Sicht des Gremiums den Rahmen eines Dorfprojekts. Eine Kommission betonte, ein solches Zentrum wirke sich auf die gesamte Gemeinde aus. Die grösste Sorge galt dem Verkehr; die Aaretalstrasse existierte damals schliesslich noch gar nicht. Dass die Kundschaft trotz zusätzlicher Buslinien mit dem öffentlichen Verkehr anreisen würde, bezweifelte der Rat, und den Verkehrsplanern mochte er nicht recht glauben. Ein Votant fragte, ob ein Imagegewinn durch ein Grosseinkaufszentrum die Belastung durch die Autoflut aufwiege.

Andere Stimmen malten das Gegenszenario aus: Sage Buchs nein, könnte das Zentrum stattdessen auf Suhrer Boden entstehen, und zwar im südlichen Wynenfeld. Buchs hätte dann den Verkehr, ohne vom Nutzen zu profitieren. Am Ende wies der Rat die Vorlage einstimmig zur weiteren Abklärung an den Gemeinderat zurück, der diesen Antrag selbst unterstützte. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits Einsprachen hängig, darunter mehrere Sammeleinsprachen. Sie drehten sich um Verkehr und Lärm sowie um die Folgen für ansässige Betriebe.

Aus der Zwischenlösung wird eine Adresse

Weil das Bewilligungsverfahren nicht vom Fleck kam, suchte die Migros nach einem Ausweg und fand ihn im Wynenfeld. Das Gebiet hatte sich ohnehin rasant verändert: Bis in die 1960er-Jahre bestimmten Landwirtschaft und Strohhäuser das Bild, dann liessen sich immer zahlreichere Betriebe nieder. Die Migros zog 1976 in die Horta-Halle, womit der provisorische Supermarkt seinen Betrieb aufnahm.

Die Übergangslösung bewährte sich. Genügend Raum war vorhanden, und auch verkehrstechnisch eignete sich der Standort. 1982 folgte die Wende: Behörden von Gemeinde und Kanton engagierten sich dafür, den Standort zu verstetigen. Die Pläne an der Lenzburgerstrasse legte die Migros damit ad acta. 1987 war der Standort endgültig, und Centerleiter Edgar Zettler spricht vom Flaggschiff im Aargau. Diese Entwicklung sei nie vorgesehen gewesen, was die Geschichte des Orts umso bemerkenswerter mache.

Über drei Etagen erstreckte sich der Bau, der das damalige Bild eines modernen Einkaufszentrums widerspiegelte: zweckmässige Architektur, kurze Wege, klare Ausrichtung aufs Auto. Von den Parkdecks leiteten Rampen ins Gebäude, im Innern gaben Lichthöfe, Rolltreppen und Ladenpassagen den Ton an. Sogar einen Bahnanschluss der Migros gab es auf dem Areal. Für Gesprächsstoff sorgte in jenen Jahren der «Graskäfer», ein mit Rasen überzogenes Fahrzeug, das durch die Region tourte und Geschenke verteilte.

Bei laufendem Betrieb wurde das Center von 2004 bis 2006 erweitert und umgestaltet. Man feierte die Wiedereröffnung mit einer Schwäche für Zahlenspiele: am 6. Juni 2006 um 6.06 Uhr und 6 Sekunden. Später folgte eine weitere Auffrischung mit mehr Tageslicht, helleren Farben, optimierten Parkhäusern und LED-Beleuchtung.

Jubiläum mit Bällebad und Traktorrennen

Auch im Jubiläumsjahr steht der Betrieb nicht still. Seit Mai 2026 läuft ein zweijähriges Bauprojekt, für das die Genossenschaft Migros Aare 5,8 Millionen Franken investiert. Das Geld fliesst vor allem in Sicherheitsmassnahmen und Gebäudetechnik. Zettler zufolge ist kein Totalumbau geplant. Die laufenden Investitionen sollen das Haus zukunftsfähig halten und seine Anziehungskraft langfristig sichern.

Gefeiert wird trotzdem, und zwar vom 28. bis 31. Oktober. Das Programm umfasst ein Bällebad, eine Clown-Show und «Kinderbacken» (gemeint ist, dass Kinder backen, nicht umgekehrt); dazu kommen eine Bingo-Show sowie eine Self-Scanning-Challenge, bei der man an der Migros-Kasse antritt. Zusätzlichen Schwung bringt ein Traktorrennen, an dem Kinder teilnehmen. In diesen Tagen gewährt die Migros 10 Prozent Rabatt aufs gesamte Sortiment.

Einordnung

Die Geschichte des Wynecenters zeigt, wie sehr Standortentscheide von Politik, Verkehr und Geduld abhängen. Ein Center, das im Dorfkern scheiterte, wurde am Rand zur festen Grösse, weil der Ort funktionierte und die Behörden mitzogen. Für Betreiber und Eigentümer ist das eine Erinnerung daran, dass ein Haus über Jahrzehnte immer wieder neu gedacht werden muss, vom Behelf über die Autoarchitektur bis zur Technik- und Sicherheitsertüchtigung. Genau dieser stete Wandel von Centern steht im Zentrum unseres Kongressthemas «Metamorphosis» am 20. Shopping Center Forum Switzerland vom 20. Mai 2027.

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